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Die Geschichte des Karl-May-Verlags

BAMBERG - RADEBEUL
Der junge Jurist Dr. Euchar Albrecht Schmid (1884-1951) gehörte zu jenen Leuten, die die Sache „Karl May“ zu der ihrigen machten und sich in der Öffentlichkeit fĂŒr den VielgeschmĂ€hten vehement einsetzten. Kontakte mit dem Autor folgten, zuerst briefliche, dann persönliche. Ein lĂ€ngerer Besuch im Sommer 1910 in Radebeul, also zwei Jahre vor Mays Tod, veranlasste ein Jahr spĂ€ter den Gegenbesuch des Ehepaares May in Stuttgart. Im Rahmen ausfĂŒhrlicher GesprĂ€che ĂŒber Mays Werk Ă€ußerte der Schriftsteller spontan den Wunsch, der spĂ€ter, ohne dass Dr. Schmid es damals ahnen konnte, tatsĂ€chlich in ErfĂŒllung ging: „Sie sollten mein Verleger werden!“
Dr. Euchar Albrecht Schmid

Karl May
In jenem Jahr schlug sich die Hetze, die Karl May der Vernichtung preisgeben wollte, bereits deutlich in sinkenden Verkaufsziffern nieder; so sah er in einem Verlagswechsel möglicherweise seine letzte Hoffnung, die rasante Talfahrt zu stoppen - 1910 wurden noch 77.000 BÀnde seiner Werke neu gedruckt, 1911 sank die Zahl auf 36.000, 1912 auf 19.000 und 1913, ein Jahr nach Mays Tod, waren es nur noch 14.000 BÀnde.
Karl May konnte die entscheidenden Schritte, die ihn spĂ€ter zum meistgelesenen deutschen Autor machen sollten, nicht mehr miterleben. Sein Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld (1853-1933) hatte ihm seit 1892 durch die Idee der Gesammelten ReiseerzĂ€hlungen, vor allem aber durch die einheitliche Ausstattung der zum Begriff gewordenen grĂŒnen BĂ€nde - die noch heute, ĂŒber 120 Jahre spĂ€ter, unverĂ€ndert geblieben ist - zu einem ĂŒberwĂ€ltigenden Erfolg verholfen. Nun fand er jedoch keine geeigneten Mittel mehr, Mays verloren gegangene PopularitĂ€t wieder neu zu beleben, und bemĂŒhte sich daher um den Verkauf der Verlagsrechte und Herstellunterlagen an eine andere Firma.
Kurze Zeit nach dem Ableben ihres Mannes erinnerte sich die Witwe Klara May an den Wunsch ihres Gatten, den er gegenĂŒber Dr. Euchar Schmid 1911 geĂ€ußert hatte, und setzte sich zur Erörterung der Frage, ob und in welcher Form er sich der Werke ihres Mannes annehmen könnte, mit ihm in Verbindung.
Am 1. Juli 1913 wurde der Verlag unter der Firmierung "Verlag der Karl May-Stiftung" in Radebeul gegrĂŒndet, wenig spĂ€ter der Name in "Karl-May-Verlag Fehsenfeld & Co." umgeĂ€ndert. Gesellschafter der OHG waren Mays bisheriger Verleger Fehsenfeld, der die BuchbestĂ€nde und die Produktionsmittel in das neue Unternehmen einbrachte, Klara May, die Inhaberin der Rechte an Mays Werken, und Dr. Euchar Albrecht Schmid als alleiniger GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verlages

Erstverleger
Friedrich Ernst Fehsenfeld

Klara May
In das Jahr 1913 fĂ€llt auch die Errichtung der von Karl May letztwillig verfĂŒgten Stiftung zur UnterstĂŒtzung in Not geratener Schriftsteller, Journalisten und Redakteure sowie zur Förderung mittelloser Talente. Karl May hatte seine zweite Frau als Universalerbin seines Nachlasses eingesetzt. Nach dem Tod seiner Frau sollte dieser dann einer Stiftung zufallen. Klara May beschloss, diesem Plan vorzugreifen und die Stiftung bereits zu ihren Lebzeiten zu errichten.
Sofort nach VerlagsgrĂŒndung ergriff Dr. Schmid die notwendigen Maßnahmen, um die geplante Erweiterung der Gesammelten ReiseerzĂ€hlungen zu Gesammelten Werken (GW) in die Wege zu leiten. Der wichtigste Schritt war der Erwerb aller verstreut liegenden Rechte an den Werken Karl Mays. Die von May geplante, aber durch seinen Tod vereitelte Neugestaltung der MĂŒnchmeyer-Romane stellte dabei die schwierigste Herausforderung dar. Bereits in einem Brief vom 19. Februar 1906 hatte Karl May diesbezĂŒglich an F. E. Fehsenfeld geschrieben: „Ich habe seinerzeit und wiederholt gesagt, daß diese Romane mir gehören, daß ich sie MĂŒnchmeyer nicht fĂŒr immer gegeben habe, sondern daß sie fĂŒr meine ,Gesammelten Werke' bestimmt sind und daß Sie es also sind, der sie bekommen wird.“ Er selber konnte diese PlĂ€ne leider nicht mehr verwirklichen.
Als Erbin der Urheber- und Urheberpersönlichkeitsrechte hielt Klara May am 21. August 1930 vertraglich Folgendes fest: „Ich erklĂ€re mich ausdrĂŒcklich damit einverstanden, daß der Mitinhaber und verantwortliche GeschĂ€ftsfĂŒhrer Dr. jur. Euchar Albrecht Schmid, unterstĂŒtzt von den Mitarbeitern seiner Wahl, an den Werken meines verstorbenen Mannes, des Schriftstellers Karl May, alle nötigen Verbesserungen und Überfeilungen bewirkt. Die von Dr. Schmid und seinen Mitarbeitern vorgenommenen Bearbeitungen, die Karl May selber nicht mehr vornehmen konnte, haben als einzig giltige und rechtmĂ€ĂŸige Ausgabe letzter Hand, als editio ne varietur zu gelten.“
Aber nicht nur die Kolportageromane verlangten nach einfĂŒhlender Bearbeitung, sondern beispielsweise auch die sechs JugenderzĂ€hlungen, die zuerst im Stuttgarter Union-Verlag erschienen waren. In diesem Falle wurden vor allem die seinerzeit oft kritisierten ĂŒberlangen Dialoge und allzu ausgedehnten Dialektproben eingekĂŒrzt, zumal die Texte zu umfangreich waren fĂŒr die einheitliche Gestalt der Gesammelten Werke. Schließlich wurden auch im Gesamtwerk viele logische und sachliche Fehler bereinigt, die May bei seiner Arbeit hin und wieder unterlaufen waren.
Erstausgabe von Band 35

Erstausgabe von Band 34, der Grundstein der Karl-May-Forschung
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs fĂŒhrte durch Papiermangel zu Lieferschwierigkeiten. Die Anfeindungen gegen Karl May durch Ferdinand Avenarius konterte man durch die im Karl-May-Verlag 1918/19 erschienenen Streit-Schriften Eine Lanze fĂŒr Karl May von Dr. E. A. Schmid und Gerechtigkeit fĂŒr Karl May von Ludwig Gurlitt.
1916 gab Dr. Schmid den Band 34 Ich, einen wichtigen Grundstein zur Karl-May-Forschung, heraus. Die darin enthaltene Autobiografie Mein Leben und Streben wurde behutsam bearbeitet, um das Wiederaufleben alter Streitigkeiten zu vermeiden, nachdem es Dr. Schmid eben erst gelungen war, Mays Prozesse (vor allem die Auseinandersetzungen mit dem MĂŒnchmeyer-Verlag) zu beenden. 1914 bis 1917 wurden als BĂ€nde 35-41 jene BĂŒcher angegliedert, die Karl May ausdrĂŒcklich fĂŒr die Jugend bestimmt hatte und die zuvor im Union Verlag erschienen waren. Diese BĂ€nde bedeuteten fĂŒr den Verleger in den ersten Jahren eine starke Belastung, da er fĂŒr den RĂŒckkauf der Rechte fĂŒnfundvierzigtausend Mark zu bezahlen hatte, eine Summe, die ihm Klara May lieh. Die hohen Auflagenziffern der JugenderzĂ€hlungen bestĂ€tigten die Richtigkeit der Verhaltensweise des Verlegers. So gehören Band 35 Unter Geiern und Band 36 Der Schatz im Silbersee bis heute zu den meistgelesenen grĂŒnen BĂ€nden. Sie sind auch der ideale Einstieg fĂŒr junge Leser.
Der Bestseller Winnetou I
mit bisher ĂŒber 4 Millionen Lesern.

Katharina Schmid
1920 ĂŒbernahm der Karl-May-Verlag die Herausgabe des seit 1918 bei Schottlaender in Breslau erschienenen Karl-May-Jahrbuchs, womit er sich ein Forum zur Rehabilitierung von May schuf und dessen Ansehen in der Öffentlichkeit festigte. Die JahrbĂŒcher können als Markstein fĂŒr den Beginn der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Karl Mays Werken bezeichnet werden.
Zu Beginn der 1920er-Jahre hatte Karl May wieder eine große Lesergemeinde gewonnen, er war sogar populĂ€rer als je zuvor. 1921 schied Fehsenfeld gemĂ€ĂŸ gemeinsamen Gesellschafterbeschluss aus dem Karl-May-Verlag aus. Seine Vorstellungen ĂŒber die weitere Arbeit fĂŒr das Werk Karl Mays formulierte der Verleger Dr. E. A. Schmid 1921 im vierten Karl-May-Jahrbuch in einem FĂŒnf-Punkte-Programm. Punkt 2 heißt: "Die Angliederung des umfangreichen Nachlasses Karl Mays an die Gesammelten Werke." Drei solcher NachlassbĂ€nde (GW 42-44, die ErzĂ€hlungen ĂŒber den Alten Dessauer und Erzgebirgische Dorfgeschichten) erschienen bereits 1921. Die Texte aus vielen lĂ€ngst verschwundenen Zeitschriften zusammenzutragen, so weit in Mays Nachlass nicht noch Belegexemplare vorhanden waren, bereitete viel MĂŒhe.
Am 2. Mai 1921 heiratete Dr. Schmid seine Mitarbeiterin Katharina Barthel (1898-1974). Sie stand ihrem fast blinden Mann bis zu seinem Tode treu zur Seite und half, die zahlreichen Aufgaben, die sich fĂŒr den Verlag stellten, erfolgreich zu Ende zu bringen. Der Ehe entstammen die Söhne Joachim (1921-2003), Wolfgang (1924-1945), Lothar (1928-2013), und Roland (1930-1990). Heutiger Karl-May-Verleger ist Bernhard Schmid (*1962).
In den Zwanzigerjahren zeigten die Verkaufszahlen trotz Inflation und Wirtschaftskrise eine steigende Tendenz. Der weitere Ausbau der Gesammelten Werke wurde zĂŒgig fortgesetzt. 1923 erschien im Anschluss an Karl Mays Am Jenseits von dem Mitarbeiter des Karl-May-Verlags Franz Kandolf (1886-1949) das im Geiste Mays verfasste Werk In Mekka. Auch fĂŒr die Neubearbeitung der Kolportageromane leistete Kandolf wichtige Dienste. 1924/25 schien die Zeit reif zu sein, die Angliederung an die Gesammelten Werke nach Entfernung der von May monierten ominösen „ZusĂ€tze“ vorzunehmen. Als Erstes wurde die Neufassung des Waldröschen (GW 51-55) vorgenommen, 1930 Die Liebe des Ulanen (GW 56-59), 1931 und 1933/34 Deutsche Herzen, deutsche Helden (GW 60-63), 1935 und 1939 Teil- und Haupthandlung aus Der verlorene Sohn (GW 64 und 65). Neben den Geographischen Predigten konnten 1926 die umfangreichen Romane Zepter und Hammer und Die Juweleninsel als GW 45 und 46 herausgebracht werden.

Verlagshaus in Radebeul

Joachim Schmid war zustĂ€ndig fĂŒr die kaufmĂ€nnischen
Belange im Verlag.
Durch das geschickte Taktieren und das diplomatische Verhalten von Dr. Schmid gelang es, die Verlagsarbeit im Dritten Reich nahezu unbehelligt fortzusetzen. Bereits mit dem Jahrgang 1933 stellte er das Erscheinen der Karl-May-JahrbĂŒcher ein, da bei der sich abzeichnenden Einflussnahme der Herrschenden auf das Schrifttum die UnabhĂ€ngigkeit dieses Karl-May-Forums nicht mehr gewĂ€hrleistet war.
Am 31. Dezember 1944 starb Karl Mays zweite Frau Klara. Sie vermachte ihren persönlichen Grundbesitz der Karl-May-Stiftung, die jetzt auch Teilhaberin am Verlag wurde.
Gegen Ende des Krieges wurde das Radebeuler Unternehmen schwer getroffen. Bereits 1943 war bei Bombenangriffen auf Leipzig, wo die Karl-May-BÀnde hergestellt wurden, das Lager erheblich geschÀdigt worden. Am 13./14. Februar 1945 ging die Stadt Dresden im Bombenhagel unter. Dabei wurden auch fast alle restlichen BuchbestÀnde und Druckunterlagen des Verlages vernichtet. Bei der Besetzung des Landes nach der Kapitulation durch russische Truppen gingen in Radebeul viele wichtige Archivunterlagen und andere, die Karl-May-Forschung betreffende Materialien verloren.
Eine Wiederaufnahme der Produktion in der sowjetischen Besatzungszone erwies sich als unmöglich. Karl May war zur unerwĂŒnschten Person geworden, und alle Anstrengungen des Verlags, eine Druckerlaubnis zu erhalten, waren vergeblich, obwohl die Bevölkerung geradezu stĂŒrmisch nach der Neuauflage der Werke von Karl May verlangte. 1947 leitete man erste Schritte ein, um eine Neubelebung in den Westsektoren zu ermöglichen. Joachim Schmid, bereits 1945 nach Abschluss einer Lehre als BuchhĂ€ndler Gesellschafter im Karl-May-Verlag, ĂŒbersiedelte nach Bamberg, wo sein Vater Kindheit und Jugendzeit verbracht hatte, und grĂŒndete am 1. Juli 1947 eine Vertretung des Unternehmens. Dem Globus Verlag in Hamburg wurde von Bamberg aus eine Lizenz zum Druck der ersten May-Ausgaben nach dem Krieg erteilt. 1948 vergab Joachim Schmid an den St. Otto-Verlag, spĂ€ter die Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg, die Keysersche Verlagsbuchhandlung, Heidelberg, sowie den Verlag Carl Ueberreuter, Wien, das Recht, unter dem Reihentitel Karl-May-BĂŒcherei die beliebtesten Karl-May-BĂ€nde im grĂŒnen Gewand der Originalausgabe wieder zu veröffentlichen. Da auch noch im Jahre 1950 die Radebeuler Firma weder ihren Sitz nach Westdeutschland verlegen noch dort eine Filiale eröffnen konnte, wurde am 1. Januar der Verlag Joachim Schmid in Bamberg gegrĂŒndet, der die Urheber- und Verlagsrechte an den Werken Karl Mays ĂŒbertragen bekam.
Am 15. Juli 1951 starb im Alter von 67 Jahren Dr. Euchar Albrecht Schmid in Bad Liebenstein/ThĂŒringen an den Folgen eines Unfalls.
Als sich im Osten Deutschlands auf lĂ€ngere Sicht keine Änderung der Lage zeigte, grĂŒndeten die Söhne Dr. Schmids am 1. Januar 1952 in Bamberg den USTAD-Verlag, der nun fĂŒr den deutschsprachigen Raum an die Stelle des Radebeuler Unternehmens trat und Herstellung und Vertrieb der Gesammelten Werke ĂŒbernahm, wobei auch die auf dem Markt noch fehlenden BĂ€nde wieder neu veröffentlicht wurden.
1959 ĂŒbersiedelte Katharina Schmid, die Witwe des VerlagsgrĂŒnders Dr. E. A. Schmid, ebenfalls nach Bamberg. 1958 bis 1960 erschienen unter der Herausgeberschaft von Roland Schmid die bearbeitete Neuauflage des letzten Kolportageromans Mays Der Weg zum GlĂŒck (GW 66-68), die Neugestaltung eines im Mittelalter angesiedelten Romanfragments Ritter und Rebellen (GW 69) und die Maysche Bearbeitung von Gabriel Ferrys Roman Der WaldlĂ€ufer (GW 70).
Roland Schmid verwaltete
die Bereiche Literatur, Herstellung
und Karl-May-Forschung.

Lothar Schmid war ĂŒber 50 Jahre Karl-May-Verleger (und daneben auch Internationaler Schachgroßmeister). Die Schwerpunkte seiner Arbeit lagen vor allem in den Bereichen Verlagsrecht und Auslieferung.
Da an eine FortfĂŒhrung der Verlagsarbeit unter den politischen VerhĂ€ltnissen der DDR in Radebeul nicht zu denken war, erfolgte 1960 die Umsiedlung des Unternehmens nach Bamberg, wo man nunmehr als „Karl-May-Verlag Joachim Schmid & Co.“ firmierte. Vom USTAD-Verlag ĂŒbernahm man BuchbestĂ€nde, Herstellunterlagen und alle Karl May betreffenden VerlagsgeschĂ€fte. Im April 1959 hatten die schwierigen Verhandlungen mit der Karl-May-Stiftung begonnen. Sie endeten damit, dass diese mit dem Millionenvermögen mit vielen Immobilien aus dem Verlagsunternehmen ausschied und in Dresden verblieb. Mit der Abfindung der Stiftung erwarb die Familie Schmid zudem das Inventar der „Villa Shatterhand“, insbesondere die wertvolle Bibliothek und das Arbeitszimmer Mays. Beides bildete ab 1962 den Grundstock fĂŒr das Bamberger Karl-May-Museum und wurde 1994 nach Radebeul rĂŒckgefĂŒhrt. Ab 1960 brachte der Wiener Verlag Carl Ueberreuter eine lizenzierte Taschenbuch-Reihe heraus. FĂŒr die WarenhĂ€user gab es eine Ausgabe des TOSA-Verlags.
In den Sechzigerjahren erhielt die May-Forschung durch die BeitrĂ€ge namhafter Karl-May-Experten (Heinz Stolte, Otto Forst-Battaglia, Hansotto Hatzig und Fritz Maschke) neue Impulse. Am 29. Dezember 1974 starb in Bamberg Katharina Schmid, die Witwe des VerlagsgrĂŒnders Dr. E. A. Schmid. In den Siebziger- und Achtzigerjahren dominierten bei den literarischen Veröffentlichungen die Reprint-Editionen. Nach den JugenderzĂ€hlungen aus dem Union Verlag und verschiedenen EinzelbĂ€nden erschienen zwischen 1982 und 1984 in drei Gruppen mit 33 BĂ€nden die hochgelobte Freiburger Erstausgabe mit Nachworten und AnhĂ€ngen. 1992 folgte noch eine Ausstattungsvariante mit Sascha-Schneider-Titelbildern. Im Jahre 1982 wurden drei BĂ€nde Prozessschriften herausgegeben, wobei es sich hier um Erstveröffentlichungen aus dem Nachlass handelt (1. Frau Pollmer, eine psychologische Studie; 2. Ein Schundverlag und seine Helfershelfer; 3. An die Strafkammer des königl. Landgerichtes III).
Am 4. Januar 1990 verstarb ĂŒberraschend Roland Schmid. Nach dem Ausscheiden von Joachim Schmid (gestorben am 10. Januar 2003) und der Erbengemeinschaft von Roland Schmid tritt Bernhard Schmid 1993 in den Verlag ein. Ab diesem Zeitpunkt erscheint unter der Herausgeberschaft von Lothar und Bernhard Schmid fast jedes Jahr ein weiteres Buch der Gesammelten Werke. Die BĂ€nde 75-78 umfassen „RestbestĂ€nde“ bisher gestrichener Teile der Kolportageromane. Band 79 Old Shatterhand in der Heimat bringt Fragmente und kleinere ErzĂ€hlungen, wobei den Hauptteil das letzte grĂ¶ĂŸere, noch unveröffentlichte Manuskript aus Mays Nachlass In der Heimath (ein gestrichenes Kapitel aus KrĂŒger Bei) ausmacht. Auf der See gefangen, Band 80, enthĂ€lt u. a. FrĂŒhfassungen bekannter Wild-West-ErzĂ€hlungen. Über Mays Weltreisen berichten die Karl-May-Experten Ekkehard Bartsch, Dr. Dieter Sudhoff und Dr. Hans WollschlĂ€ger in Band 82 In fernen Zonen. In dem 2001 erschienenen Band 83 Am Marterpfahl. Karl Mays Leidensweg finden sich die Streitschriften aus Mays Prozessjahren im Neusatz und kommentiert.
Lothar und Bernhard Schmid
2003 folgte Band 84 Der Bowie-Pater, der Fragmente und Vorstufen berĂŒhmter ErzĂ€hlungen enthĂ€lt, wobei die Titelgeschichte ein unvollstĂ€ndig gebliebenes Kapitel aus dem Roman Die Juweleninsel (Band 46 der Gesammelten Werke) ist. Band 85 Von Ehefrauen und EhrenmĂ€nnern brachte 2004 einen der ungewöhnlichsten und zugleich menschlich bewegendsten Texte Mays: „Frau Pollmer, eine psychologische Studie“. Hier gibt der Autor Rechenschaft ĂŒber seine erste Ehe und deren Scheitern und schließt manche LĂŒcke in seiner offiziellen Autobiografie. Band 86 Meine dankbaren Leser von 2005 enthĂ€lt Mays Verteidigungsschrift und Selbstdarstellung „Karl May als Erzieher und Die Wahrheit ĂŒber Karl May“; daneben werden zahlreiche Leserbriefe aus Karl Mays Nachlass hier erstmals vollstĂ€ndig wiedergegeben und dokumentiert. In Band 87 Das Buch der Liebe, erschienen 2006, befasst sich May aus kulturgeschichtlicher, philosophischer und religiöser Sicht mit dem Begriff der „Liebe“ und seinen vielfĂ€ltigen Bedeutungen. In Band 88 Deadly dust (2008) und 89 Im fernen Westen (2011) werden wieder Varianten von Abenteuergeschichten vorgestellt. Mit den BĂ€nden 91 und 92 Briefwechsel mit Friedrich Ernst Fehsenfeld (2007/08) und 93 Briefwechsel mit Sascha Schneider (2009) wurde die Erweiterung der Reihe auf Gesammelte Werke und Briefe gestartet. Band 94 Briefwechsel mit Joseph KĂŒrschner erscheint zum 100-jĂ€hrigen JubilĂ€um des Verlags (2013), Band 90 ist in Vorbereitung!
Ab 1997 firmierte der Verlag unter „Karl-May-Verlag Lothar Schmid GmbH“, seit 2007 unter „Karl-May-Verlag GmbH“ und ergĂ€nzte sein Verlagsprogramm um GroßbĂ€nde im quadratischen Format: den Karl-May-Atlas von Hans-Henning Gerlach, das Karl-May-Filmbuch und die Karl-May-Stars von Michael Petzel, Karl May und die Musik von Hartmut KĂŒhne und Christoph F. Lorenz, Auf Winnetous Spuren von Thomas Jeier, Karl May am Kalkberg von Reinhard Marheinecke und Nicolas Finke, die Karl-May-Bibliografie 1913-1945 und Traumwelten I-III von Wolfgang Hermesmeier und Stefan Schmatz, Auf Karl Mays FĂ€hrte von Reinhard F. Gusky und Willi Olbrich, Mit Kara Ben Nemsi durch den Orient von Karlheinz Eckardt sowie Carl Lindeberg von Stefan Schmatz und Friedhelm SpĂŒrkel. Zum 90-jĂ€hrigen VerlagsjubilĂ€um prĂ€sentierte die Schauspielerin Marie Versini in ihrer Autobiografie Ich war Winnetous Schwester Bilder und Geschichten aus ihrer Karriere. Die Bild-Biografie Karl May und seine Zeit von Gerhard Klußmeier und Hainer Plaul mit 592 farbigen Seiten und ĂŒber 1.500 Bildern im DIN A4-Format ist der GrĂ¶ĂŸte unter den GroßbĂ€nden.
Dazu kommen die SonderbĂ€nde Mein Hengst Rih, Carolus May. Vinnetu. Tomus tertius (in lateinischer Sprache), Karl May auf sĂ€chsischen Pfaden, 3 BĂ€nde FĂŒrst und Junker von Friedrich Axmann, Zwischen Himmel und Hölle. Karl May und die Religion, die Karl-May-Biografie Winnetous Blutsbruder von Christian Heermann, Der geschliffene Diamant. Die Gesammelten Werke Karl Mays, Die blaue Schlange und andere Karl-May-Geschichten, Durchs wilde Lukullistan. Essen, Trinken und Genießen bei Karl May, Die Schatten des Schah-in-Schah von Heinz Grill (vergriffen), Im Reiche des roten Adlers. Karl May und Tirol (vergriffen), An der Quelle des Löwen und andere Jagdgeschichten, ErkĂ€mpftes GlĂŒck. Liebesgeschichten aus dem Werk, Der Riesenochsenfrosch und andere humoristische ErzĂ€hlungen, Old Shatterhand vor Gericht. Die 100 Prozesse des Schriftstellers Karl May von JĂŒrgen Seul, Auf Tod oder Leben. Das Buch der KĂ€mpfe mit so manchem Tipp, Unter Volldampf. Abenteuergeschichten rund um die Eisenbahn, Hadschi Halef Omar. Die Vorgeschichte zu Karl Mays ReiseerzĂ€hlung Durch die WĂŒste von Jörg Kastner, 365 Tage Karl May. Eine biografische Jahresschau von Hans-Dieter Steinmetz, Nscho-tschi und ihre Schwestern. Frauengestalten im Werk Karl Mays von Katharina Maier sowie die ĂŒber 3.000 Seiten starke, fĂŒnfbĂ€ndige Karl-May-Chronik von Dieter Sudhoff und Hans-Dieter Steinmetz. Im JubilĂ€umsjahr „100 Jahre Karl-May-Verlag“ erscheinen Karl Mays Friedenswege und Winnetous rote BrĂŒder.
Michael Bully Herbigs Comedy-Buch Der Schuh des Manitu, das Buch zu dem gleichnamigen ungewöhnlich erfolgreichen Kinofilm, erschien 2001 im Karl-May-Verlag.
An die jĂŒngsten Leser richten sich die Spiel- und BastelbĂŒcher Winnetous Welt und das erfolgreiche Bilderbuch Winnetou und Old Shatterhand. Den etwas Älteren bietet die Reihe Abenteuer Winnetou eine Auswahl von Karl Mays besten und berĂŒhmtesten Wildwest-Geschichten in attraktivem jugendlichen Design.
Eine Feder fĂŒr Winnetou betitelte sich 2010-12 der Schreibwettbewerb „Karl May junior“ fĂŒr Kids zwischen 10 und 15 Jahren, unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin fĂŒr Arbeit und Soziales Dr. Ursula von der Leyen, initiiert vom Karl-May-Verlag und dem SilberbĂŒchse e.V. Aufgabe war, eine zirka fĂŒnfseitige Geschichte mit Winnetou und Martin Baumann aus der ErzĂ€hlung Der Sohn des BĂ€renjĂ€gers zu verfassen. Insgesamt wurden 150.000 Leseproben an 7.000 Schulen versandt. Über 550 BeitrĂ€ge gingen ein! Die Hauptjury bestand aus den Schriftstellern Dr. Tanja Kinkel, Stefan Gemmel, Wolfgang Hohlbein, Jörg Kastner und Franjo Terhart, dem StaatsekretĂ€r Dr. Ralf Brauksiepe, dem Didaktikprofessor Dr. Ulf Abraham und Wolfgang Antritter als Vertreter der Lehrer. Die 21 Siegergeschichten wurden in dem Buch Eine Feder fĂŒr Winnetou abgedruckt.
Seit 2007 ist Bernhard Schmid alleiniger geschĂ€ftsfĂŒhrender Gesellschafter. Seit diesem Jahr kommen die Gesammelten Werke auch in einer Reihe von HörbĂŒchern im MP3-Format heraus, gelesen u. a. von dem bekannten und beliebten Ex-„Tatort“-Kommissar und Karl-May-Fan Peter Sodann bzw. Heiko Grauel. Seit 2010 gibt es die weiter angewachsene Hörbuch-Reihe auch im Audio-CD-Format in sehr lukrativen Verpackungen, aber natĂŒrlich auch als Downloads bei den verschiedenen Anbietern.
Der Karl-May-Verlag ist auch lÀngst im digitalen Zeitalter angekommen: So sind alle Gesammelten Werke und weitere Publikationen bereits als eBook erhÀltlich!
2013 ist ein besonderes Jahr fĂŒr den Verlag, in dem Freude und Trauer eng beieinanderliegen. Am 1. Juli wird der Verlag 100 Jahre alt! Kurz vor den Feierlichkeiten zum JubilĂ€um aber verstirbt Lothar Schmid, der dem Verlag bis zuletzt als Berater zur Seite gestanden hatte, am 18. Mai, wenige Tage nach seinem 85. Geburtstag. Nicht nur als Verleger, sondern auch im Schachsport hatte sich Lothar Schmid als Internationaler Großmeister und „Schiedsrichter des Jahrhunderts“ einen großen Namen gemacht. Sowohl der Schach- als auch der Karl-May-Szene geht mit seinem Tod eine herausragende Persönlichkeit verloren. Zum JubilĂ€um erscheint die Festschrift 100 Jahre Karl-May-Verlag, die Lothar Schmid gewidmet ist.